Berne

Ev.-luth. St. Aegidius


© Gabriel Isenberg, 2025
© Gabriel Isenberg, 2025

Kirchengebäude

Der ursprünglich einschiffige, frühromanische Bau wurde im 13. Jahrhundert nach westfälischem Vorbild zu einer dreischiffigen Hallenkirche erweitert. Unter den Ausstattungsstücken, die weitgehend aus dem 17. Jahrhundert stammen, ist vor allem der von einem Schüler Ludwig Münstermanns 1637 geschaffene Altaraufsatz bemerkenswert. In den vergangenen Jahren fanden Renovierungsarbeiten statt.

 

Orgel

Die ältesten Bestandteile der Orgel gehen auf ein Werk des Brabanter Orgelbauers Reinhard von Lampeler von 1596 zurück. Erweiterungen und Veränderungen erfolgten u. a. durch Harmen Kröger 1642 und Christian Vater 1714. Nach einem restaurativen Neubau durch Alfred Führer (Wilhelmshaven) 1960 erfolgte 2025 eine denkmalgerechte Restaurierung nud Rekonstruktion durch Orgelbau Jens Steinhoff (Schwörstadt) in Kooperation mit dem Intonateur Winfried Puschmann (Rheine). Das Restaurierungskonzept umfasste die Wiederherstellung der Disposition von 1643, die Rekonstruktion der Spiel- und Registertraktur, der Keilbalganlage sowie den Neubau des Rückpositiv-Gehäuses. In der Berner Orgel erklingen die ältesten Pfeifen im Oldenburger Land.


I. RÜCKPOSITIV (CDEFGA–c³)

Principal 4'  [S]

Quintaden 8'  [K]

Gedact 8'  [K]

Floite 4'  [S]

Octav 2'  [K]

Waldfloite 2'  [K]

Sieflit 1'  [S]

Scharff [3f.]  [S]

Crumphorn 8'  [S]

II. HAUPTWERK (CDEFGA–c³)

Quintadena 16'  [W/S]

Principal 8'  [L/V]

Holfloit 8'  [L/V]

Octav 4'  [L]

Gembshorn 2'  [S]

Quint 1 1/2'  [S]

Cimbel [3f.]  [S; Quart-Sext-Cimbel]

Mixtur [4–6f.]  [V/S]

Trompete 8'  [S]

PEDAL (CDE–d¹)

Principal 16'  [K/S]

Octav 8'  [K/S]

Posaunen 16'  [S]

Tromet 8'  [S]

Cornet 2'  [S]

[L] = Reinhard Lampeler van Mill 1596

[K] = Hermann Kröger 1643

[V] = Christian Vater 1714

[W] = Georg Wilhelmy 1794

[S] = Jens Steinhoff 2025


2 Cimbelsterne. Keine Koppeln.

Bocktremulant (für das ganze Werk), Kanaltremulant (Rückpositiv). Vogelsanck.

Mechanische Schleiflade.


© Gabriel Isenberg, 2020
© Gabriel Isenberg, 2020

Die Orgel im Zustand 1960–2024

Der restaurative Neubau der Orgel durch die Orgelbauwerkstatt Alfred Führer (Wilhelmshaven) 1960 nahm Bezug auf einen fiktiven früheren Zustand. In 12 Registern war noch historisches Pfeifenmaterial aus den verschiedenen Bauschichten enthalten, teilweise stark verändert und in anderer Anordnung.


I. RÜCKPOSITIV (C–f³)

Gedackt 8'

Quintade 8'
Prinzipal 4'
Flöte 4'
Waldflöte 2'
Oktav 2'
Sesquialtera 3f.
Scharff 4f. 1'
Krummhorn 8'

Tremulant

II. HAUPTWERK (C–f³)

Quintade 16'
Prinzipal 8'

Rohrflöte 8'
Oktav 4'
Quinte 2 2/3'
Oktav 2'
Gemshorn 2'
Mixtur 6f. 1 1⁄3'
Trompete 8'

Koppel I–II

PEDAL (C–f¹)

Prinzipal 16'
Oktav 8'
Oktav 4'
Mixtur 2f. 2'
Posaune 16'
Trompete 8'
Trompete 4'

Koppel II–P

Koppel I–P


Zwei Zymbelsterne.

Mechanische Schleiflade.


Daten zur Orgelgeschichte

1590: Entfernung einer bestehenden Orgel. Der Neubauversuch eines „Betrügers“ scheitert.

1596: Orgelneubau durch Reinhard von Lampeler (Brabant).
1618: Neue Bälge und neues Balghaus durch Christian Bockelmann (Lüneburg).
1626–28 und 1635: Reparaturen und Erneuerung der Bälge durch Johann Sieburg (Bremen).
1642: Erweiterung um Rückpositiv und eigenständiges Pedal durch Harmen Kröger (Oldenburg).

1690: Verlegung der Bälge durch Joachim Kayser (Jever).

1709: Arp Schnitger (Hamburg) nennt in einem Gutachten erstmals die Disposition mit II+P/25, das Pedalwerk mit Springlade.
1714: Reparatur durch Christian Vater (Hannover), dabei wird das Hauptwerks-Gehäuse erneuert.

1742: Reparatur durch Eilert Köhler (Oldenburg); im Pedla nun Schleifladen und veränderte Disposition.

1778: Reparatur durch Johann Hinrich Klapmeyer (Oldenburg).

1794: Umbau durch Georg Wilhelm Wilhelmy (Stade), u. a. wird das Rückpositiv als Oberwerk über das Hauptwerk gesetzt.

1820: Reparatur und Veränderungen durch Gerhard Janssen Schmid [I] (Oldenburg).

1893: Reparatur und Dispositionsänderungen durch Johann Martin Schmid [III] (Oldenburg).

1930: Tieferstimmung durch Furtwängler & Hammer (Hannover).
1960: Restaurativer Neubau mit Rückführung der Disposition auf einen fiktiven früheren Zustand durch Alfred Führer (Wilhelmshaven), II+P/25.

1996: Reinigung durch Orgelbau Alfred Führer (Wilhelmshaven).

2025: Denkmalgerechte Restaurierung und Rekonstruktion durch Orgelbau Jens Steinhoff (Schörstadt) in Kooperation mit dem Intonateur Winfried Puschmann (Rheine).

Quellen und Literatur: F. Schild: Orgelatlas der historischen und modernen Orgeln der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg, 2008 ⋄ Dokumentation zur Restaurierung und Rekonstruktion 2025 ⋄ Letzte Änderung: 05.10.2025.


Zustand 1960–2024:

Zustand ab 2025: